Angedacht

Liebe Gemeinde!

Angedacht

Was für ein Vertrauen!

So lautet das Motto des diesjährigen Kirchentages im Juni in Dortmund, wo auch wir mit Jugendlichen hinfahren werden.

„Vertrauen ist gut – aber Kontrolle ist besser“ – dieser Satz wird vielen von uns gleich im Ohr sein, wenn sie das Stichwort „Vertrauen“ hören. Dabei ist das nun eigentlich überhaupt kein Verhalten des Vertrauens. „Vertrauen“ ist eine innere Haltung, die besagt: ich kann mich auf den anderen verlassen und brauche keine Angst in einer Situation zu haben.

Erstaunlicherweise sagen aber die Hirnforscher auch: ohne Angst, würde es kein Vertrauen geben, dann bräuchten wir es sozusagen nicht. Vertrauen und Angst gehören also in gewisser Hinsicht zusammen.

Das Kirchentagspräsidium hat dieses Motto bewusst ausgesucht, weil eine Haltung des Vertrauens in unseren Zeiten immer schwieriger wird. Wie viele können von Situationen erzählen, in denen sie vertrauensvoll waren und darin betrogen wurden. Und dennoch ist eine Beziehung zwischen mir und anderen, und auch zwischen mir und Gott ohne Vertrauen nicht möglich.

Die Geschichte, aus der dieser Satz entnommen wurde, steht im 2. Buch der Könige. Es ist eine kriegerischen Szene, Gewalt und Auseinandersetzung gibt es da, feindliche Rivalität zwischen Staaten mit unterschiedlichen Religionen. Das Südreich Juda und sein König Hiskia steht da gegen die Großmacht Assyrien. Das kann nicht gut gehen… Juda muss mit Pauken und Trompeten untergehen, so denkt man. Aber dieses ist eine der wenigen Geschichten aus dieser Zeit, wo der König ein gläubiger Mann war und dazu einer mit praktischer Ader und diplomatischen Geschick. Er vertraute auf die Hilfe Gottes und sorgte gleichzeitig vor, soweit er konnte.

„Was für ein Vertrauen“ , diesen Satz sagt einer der Unterhändler aus Assyrien in der entscheidenden Stelle. Sagt er ihn verachtend? Oder mit Achtung? Oder gar neidisch? Ich finde, Vertrauen auf Gott zu haben „zeichnet einen Menschen aus“. Es macht ihn gut aufgestellt zwischen Erde und Himmel. Er weiß, dass er letztlich in Gottes Hand ruht – aber gerade dieses Vertrauen gibt ihm die Ruhe und Kraft zur praktischen Überlegung.

Ich wünsche Ihnen und Euch diese innere Haltung – und Gottes Schutz für all die Wege, die in den nächsten Wochen vor Ihnen und Euch liegen.

Ihre und Eure Magdalena Tiebel-Gerdes

 

 

 

manchmal sagt ein Bild mehr als 1000 Worte.

 

Als wir vergangene Woche den Kamelienwanderweg von Cannero nach Cannobio spazierten, gingen meine Gedanken zum nächsten Newsletter und was wohl auf das Titelblatt kommen könnte. Da sah ich diesen Farn, der sich aus einem dunklen Loch in einer Steinmauer hinausreckt, steil nach oben der Sonne entgegen. Und nach gut 40 cm entfaltet er nach links und rechts zwei Triebe, während gleichzeitig der Haupttrieb weiter nach oben strebt. Frisches Grün, neues Leben – es verlässt die Steinhöhle und breitet sich aus, gewinnt Raum und Gestalt, blüht auf.

So ähnlich war es auch am allerersten Ostermorgen. Das Felsengrab vermochte den nicht zu halten, dessen Körper in ihm lag. Aus dem kalten Dunkel heraus verbreitete sich eine neue Hoffnung. Ängstliche Jünger, die sich in Häusern eingeschlossen hatten, begannen die Türen zu öffnen und traten hinaus. Auf den Plätzen und Straßen, nach links und rechts, erzählten sie von dem, was sie erlebt hatten, was sie in ihrem Innern spürten. Das Kreuz des Todes verwandelt sich in ein Zeichen des Lebens und der Zukunft. Von diesem allerersten Ostermorgen aus reicht es bis in unsere Gegenwart. Sehe ich die Zeichen? Spüre ich die Kraft, die davon ausgeht? Erlebe ich, dass es auch mir gilt?

Ich wünsche Ihnen eine solche Erfahrung des Aufbruchs. In diesem Sinne: FROHE OSTERN ! Carsten Gerdes

 

Hier finden Sie einige archivierte Andachten: