Angedacht

Liebe Gemeinde!

Ein Engel geht mit

Der Geruch von Maronen zieht durch die Luft. Ein süßer, erdiger Geruch vermischt mit dem vom Holzkohlenfeuer. Ein dünner Qualm steigt auf in die Feuchtigkeit in der Luft.

Es ist November am Lago – frische Tage mit Nebel. Die Welt ist in einen freundlichen Dunst eingehüllt – das stört mich nicht. Im  Gegenteil: manchmal tut es gut, nicht alles um mich herum im hellen Licht zu sehen. Zu viele Fragen und Beunruhigungen drängen sich gerade auf: Abschiede, Trauer, Umzüge, Krankheiten. Dann die Fragen: „Wie wird es politisch weitergehen in „unseren“ Ländern Italien und Deutschland? Wie mit Europa?“ So viel Durcheinander, Abgrenzungen,  viele Angriffe und der furchtbare Ton in den Wahlkämpfen macht mir Angst. „Wo ist unser Gefühl für die Humanität geblieben?“ frage ich mich.

Manchmal haben wir das Gefühl, dass zu viele Veränderungen gleichzeitig geschehen.  Als wenn die Zeit sich schneller dreht. Ich überlege: ist dieses Gefühl etwas Neues? Geht es nur uns heute so? Wenn ich in die Bibel schaue sehe ich, dass es nicht so ist. Verunsicherungen und Aufbrüche gab es zu allen Zeiten und verlangte immer den jeweiligen Menschen viel ab. Aber es gab auch immer daneben Zusicherungen von Begleitung und Schutz. Abraham wurde aus seinem gewohnten Leben herausgerufen, Josef musste mit seiner kleinen Familie gleich nach der Geburt nach Ägypten fliehen und auch Mose mit dem Volk Israel war einer von vielen, die aufbrechen mussten. Er bekam einen Zuspruch mit auf den Weg:Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege.“(2.Mose23,20)

Ein tröstlicher Gedanke: ein Engel geht mit. Geht neben uns her und erzählt dabei, dass wir nicht alleine sind, sondern uns auf Gottes Begleitung immer verlassen können. In der kommenden Adventszeit stellen viele Engel bei sich auf, oder sie sind in die großen Krippen integriert. Engel in der Nähe von Menschen. Nur aus Holz oder Ton, aber immer Symbole für Gottes Nähe und seine Botschafter.

Verändert das die Situationen? Ändert das die Wahlergebnisse, die Zunahme von rechten und populistischen Gedanken, den respektlosen Umgang der Menschen miteinander oder mit Flüchtlingen? Verändert das Trauer oder Ängste? Die Realitäten werden sich nicht ändern, aber unser Umgang damit schon. Gott kann uns von innen her aufrichten und neuen Mut geben. Er kann durch seine Engel unser Gefühl von Unsicherheit oder Hilflosigkeit verändern zu Freiheit und Offenheit. Er kann uns aktivieren  und trösten. Bei jedem Engel, den wir sehen, können wir uns daran erinnern und auch daran, was er den Hirten zugerufen hat: Siehe, ich verkündige euch große Freude! Denn euch ist heute der Heiland geboren!

Pastorin Magdalena Tiebel-Gerdes

 

Hier finden Sie einige archivierte Andachten: