Angedacht

Liebe Gemeinde,

Die ausgewählten Worte haben Sie gelesen. Jugendliche aus Soltau haben dazu das Bild auf der Titelseite gestaltet. Beim Nachdenken darüber und durch das Reden mit anderen ist mir aufgefallen, dass viele sagen: „Barmherzigkeit ist vor allem ein Tun, eine Tat. Ich erweise Barmherzigkeit gegenüber anderen, indem ich jemandem helfe, Geld spende, dem Mann vor dem Supermarkt meinen leeren Einkaufswagen mit der Münze drin überlasse.“ Ja, dem kann ich erstmal nur zustimmen. Aber, frage ich mich, was geht diesem Tun denn voraus? Was bewegt mich dazu, so zu handeln? Und ich antwortete: „Barmherzigkeit ist auch eine Haltung, ein Sein.“ Barmherzigkeit bringt mich erst dazu, barmherzig zu handeln. Wenn ich der Herkunft dieses immer seltener benutzen Wortes nachgehe, entdecke ich, dass es aus ursprünglich zwei Worten zusammengesetzt ist: ‘Herz‘ und ‘barm‘, das sich aus dem Wort ‚arm‘ entwickelt hat. Barmherzig meint ursprünglich ein Herz für die Armen haben, die Armen im Blick haben, ja, die Welt aus Sicht der Armen betrachten. Ich wechsele also meine Position, sehe die Welt und die Verhältnisse aus einer anderen Perspektive als ich es für gewöhnlich tue.

So ein Blickwechsel tut manchmal ganz gut, und ich entdecke auf einmal Dinge, die ich sonst übersehen, gar nicht wahrgenommen hätte. Und das kann mich zu einem anderen Verhalten motivieren.

Kein schlechtes Motto, das neue Jahr zu beginnen, finde ich. Möge uns das immer mal wieder einfallen bei den Fragen, die wir alltäglich zu entscheiden haben: Einfach mal die Welt mit anderen, barmherzigen Augen sehen.

Ihr Pastor Carsten Gerdes

 

Hier finden Sie einige archivierte Andachten: